THE WHOLE STORY - Die ganze Geschichte
2. korrekturgelesene Fassung, Oktober 1997

  Einleitung

Der folgende Text sollte ursprnglich "Die Spirits-Story"  heien. Von diesem
Titel habe ich Abstand  genommen. Die  Ehre fr  den wunderbaren  Verlauf der
geschilderten Dinge gebhrt jemand anderem -  dessen Name fr  viele zu einem
Reizwort geworden ist, Jesus Christus.

Ich hab' ihm nur Feindschaft  entgegengebracht, aber er ist  mir nachgegangen
und hat mein Leben zum Guten gewendet.
Ich wollte von ihm nichts wissen, aber  er hat mich ins  offene Messer laufen
sehen und mich zurckgehalten.

Diese Zeilen sind  als Ausdruck  meines  Dankes entstanden.  Ich hab's  nicht
verdient, so gut behandelt zu werden, und kann nur jedem von Herzen wnschen,
ihn, den Heiland, so kennenzulernen.
Die Entwicklung der letzten Jahre und die Wende, zu der sie fhrte, lt sich
nur als turbulent bezeichnen. Ich hoffe, sie wird hiermit  fr den einen oder
anderen, der Gerald und mich noch von frher kennt, etwas durchsichtiger.

Es liegt bei Dir, lieber Leser. Du kannst den Text lesen oder fortwerfen, ihn
ernstnehmen oder dich darber lustigmachen.
Meine Absicht war es, dir meine Erlebnisse, meinen Weg zu ihm aufzuschreiben,
und ihn dir etwas nherzubringen, und dich zu  ermutigen, den kennenzulernen,
der sein Leben fr uns gegeben hat - und ich hoffe mir ist das gelungen.
Es liegt bei Dir, ob Du diese Chance wahrnimmst, oder sie wegwirfst.

  Pseudos

Ich, das ist Sebastian  Hennig, und  Gerald, das ist  Gerald Spreer,  der dem
einen oder anderen unter verschiedensten Namen vielleicht schon  mal ber den
Weg gelaufen ist, sei es  durch Scrolltexte in  Demos, oder sogar  "live" auf
verschiedenen Parties.
Sich Pseudonyme mit mehr  oder weniger  Tiefgrndigkeit zu  geben hat  in der
Szene  eine  lange,  lange   Tradition.  Die   Motive  dafr   sind  freilich
verschieden, den  einen  dienen  sie  schlicht  zur  Tarnung  fr  halblegale
Aktivitten, andere empfinden eine  Notwendigkeit, sich  ihren knstlerischen
Aktivitten entsprechende Namen zu geben,  eine dritte Gruppe  schlpft damit
in eine zweite Haut und baut eine zweite Identitt auf, andere haben sich nie
richtig ber diesen  Brauch  Gedanken gemacht  und  machen es,  weil es  alle
machen.
Wir waren   dabei  keine  Ausnahme,   und,  je  nach  Zeit   ebenfalls  unter
verschiedenen Gruppennamen anzutreffen. Von unseren Pseudonymen,  die fr uns
echten Tiefgang  und Bedeutung  hatten,  haben  wir  uns seit  geraumer  Zeit
getrennt. In diesem Text (und auch  sonst) wollen wir es  einfach bei unseren
Vornamen belassen, und  ebenso  werde  ich von  anderen  mit richtigem  Namen
sprechen und hoffe, niemandem damit auf die Fe zu treten.

  Noch ein Wort zuvor

Unser gemeinsamer Bruch mit  allen Szeneorientieren Aktivitten  passierte so
gegen Ende  1995,  Anfang  1996  (an  einem  Tag  kann  ich  das  nicht  mehr
festmachen) und wurde mit dem Release von "Wo wirst Du sein in Ewigkeit?" auf
der Symposium'96 in Hamburg offiziell, dem letzten Demo der "Spirits".
Diesem 4-Kilobyte-Demo ("4ktro") lag ein fast doppelt so  grosses Readme bei,
in dem wir ber unsere Beweggrnde zu diesem Entschlu etwas Klarheit bringen
wollten.
In zweierlei Hinsicht war das damals etwas besonderes, zum  einen war es eher
blich, da  Leute,  die  sich  von  derlei  Computeraktivitten  zurckzogen
einfach sang-und-klanglos  im  Hintergrund  verschwanden und  man  nur  durch
Gerchte etwas  ber  die  Grnde  erfuhr,  zum  zweiten  war  ein  Demo  mit
"religisem" Inhalt etwas bis dahin  wohl nicht gekanntes, zumindest  ist mir
in all den Jahren so etwas nicht begegnet, und ich denke, anderen auch nicht.
Das Readme  entstand  ebenfalls  auf  der  Symposium'96  in  einer  emotional
aufgeheizten    Atmosphre,    und     mein     schlechtes,    offensichtlich
miverstndliches Englisch trugen ein briges dazu bei, da es einige "in den
falschen Rachen" bekamen.
Ich hoffe, auch diesen eventuell hinterlassenen falschen  Eindruck mit diesem
Text richtigstellen zu knnen,  denn (diesmal mit  noch grerem  Abstand als
damals) rckblickend, knnen wir nur sagen und bekrftigen, da wir keinerlei
Bitterkeit oder gar  Feindseligkeit empfinden,  weder der  Szene  als solches
noch Einzelpersonen gegenber, auch  nicht angesichts der  "verlorenen" Zeit,
im Gegenteil.
Betrachtend, was ich  letztendlich gefunden  habe,  bin ich  dankbar fr  die
Erfahrungen und Bekanntschaften,  die ich  in der  Szene machen  durfte. Aber
diese Zeit ist nun vorbei, und um nichts in der Welt mchte ich das Kostbare,
das ich nun habe, wieder gegen  die nur kurzweilige Freude  von damals wieder
eintauschen.
Nimm' Dir etwas Zeit fr den folgenden Text, und sieh' selbst.

  Kindheit

Anfang der Achtziger zogen  wir, also meine  Eltern, meine Schwester  und ich
aus Offenthal in die  Nhe von  Darmstadt, in ein  Dorf, etwa  15 Autominuten
entfernt. Ich war  noch  klein und  besuchte  hier noch  fr  kurze Zeit  den
Kindergarten (in dem ich das erste  Mal meine Schuhe selbst  band) bevor dann
im Sommer 1982 die Einschulung in die Wilhem-Busch-Grundschule stattfand.
Wir waren eine kleine Klasse,  vielleicht 20 Kinder.  Und in dieser  Zeit, es
mu die  zweite  Klasse  gewesen  sein, wurde  gewissermaen  der  Grundstein
gelegt.
Ich verbrachte viele Nachmittage bei einem Schulfreund, Philipp, dessen Vater
einen PC besa - Computer  waren damals noch  eine sehr exotische  Sache. Von
Anfang an ging von "der Kiste" eine  groe Faszination aus! So  gro, da ich
oft meine Uhr zurckstellte,  um eine "plausible"  Erklrung dafr  zu haben,
wenn ich erst um 19.00 nach  Hause kam (oft  nach einem Anruf) -  obwohl doch
18.00 Uhr fest vereinbart war.
Waren es anfangs nur "PC Arcade" und "Castle" die  mich derart fesselten, da
ich darber die Zeit vollkommen verga,  so kam kurze Zeit  spter auch BASIC
dazu.  Meine  Mutter   hatte  mir   aus  der   Stadt  ein   Buch  mitgebracht
("Heimcomputer spielend leicht") und nach den ersten selbst (ab)geschriebenen
Programmen daraus hatte ich endgltig Feuer gefangen.
Die For-Next-Schleife erklrte  mir Philipp  einmal auf  dem Weg  zur Schule,
eine fr mich irre abstrakte Sache. Das dauerte etwas,  bis ich die begriffen
hatte. Jede freie Minute verbrachte ich  damals bei dem  Schulfreund, mit dem
ich meine Begeisterung teilte.
Technische Neuheiten tauchten nach und  nach auf: Ein Interface  zum Anschlu
eines Typenraddruckers, die Hercules-Karte, ein Basic mit Grafikbefehlen (das
allerdings bei Backspace sofort abstrzte), GEM-Paint.
Ein anderer  Schulfreund,  Michael,  bekam  eine  Atari-Konsole  mit  Pacman,
Asteroids, Atlantis, Space  Invaders und  anderen Modulen.  Einhundert Dinge,
die mich in ihren Bann zogen.
Und meine Uhr wurde immer unzuverlssiger...

Auch von Gott hrte ich hier das allererste Mal, im Reli-Unterricht. An einen
frheren Zeitpunkt kann ich mich nicht erinnern.
In meinem Elternhaus war Religion allgemein  kein Thema. Unsere  Taufe in der
evangelischen Kirchengemeinde  Grfenhausen  -   in  der  wir  uns  auer  an
Weihnachten auch nicht blicken lieen  - geschah, wie eben  erwhnter Besuch,
allein aus Tradition.
Und um  uns nichts  vorzuenthalten.  Wir  sollten  die Mglichkeit  bekommen,
spter einmal selbst zu entscheiden, ob wir aus  der Kirche austreten wollten
oder nicht.
Die damals in der Schule gehrte Geschichte  mit dem Mose und  dem Auszug aus
gypten ist mir bis heute in Erinnerung geblieben. Die  hatten wir damals als
gelbes Comicheft ("Der Berg bebt") geschenkt bekommen.

  Schulzeit in Darmstadt

Von 1986 bis  1995  besuchte  ich die  Edith-Stein-Schule  in Darmstadt,  ein
"staatlich anerkanntes katholisches Gymnasium" - vormals nur fr Mdchen, wir
sollten der allererste gemischte Jahrgang sein.
Diese Schulwahl geschah  nicht,  weil  meine Eltern  besonders  viel mit  der
katholischen Kirche  zu tun  gehabt  htten  - das  habe  ich  ja oben  schon
geschrieben -  sondern weil  zu  dieser Zeit  gerade  die  Diskussion um  die
sogenannte Frderstufe entbrannt war. Den genauen Sachverhalt  wei ich nicht
mehr, jedenfalls war diese Schule  die einzige Mglichkeit,  jene fragwrdige
Frderstufe zu umgehen. Andere Alternativen gab es praktisch nicht.
Rckblickend kann ich  mich dem  nicht anschlieen,  was man  von  so manchem
geplagten Berufsttigen hrt,  da die  Schulzeit die  schnste  Zeit gewesen
sein soll. Es  war die  Zeit mit  der meisten  Freizeit, aber  als sonderlich
schne Zeit werde ich sie nicht in Erinnerung behalten.
Wir waren der allererste gemischte Jahrgang, aufgeteilt in die Klassen 5a bis
5f, mit jeweils so  um die 30  Schler. Die  Schule hatte einen  recht groen
Einzugsradius, die unterschiedlichsten Drfer  im Umkreis von  25 km  in alle
Himmelsrichtungen   waren   vertreten.   Die    Klassen   wurden    zwar   so
zusammengemischt, da mglichst Kinder  aus derselben Gegend  zusammen waren,
aber das war nicht immer mglich.
Aus unserem Dorf Schneppenhausen  war nur noch  ein anderes Mdchen  auch auf
diese Schule gekommen. Die Distanz  zu den anderen Klassenkameraden  war aber
nicht allzu tragisch,  schlielich fuhren  einen die  Eltern in  diesem Alter
noch gerne hier-und-dort hin.
Was sich  wie  ein roter  Faden  durch  die  ganze  Schulzeit zog  waren  die
unzhligen Debatten ber  das ach-so-schlechte  Klassenklima. Und  in  der 5f
sollte das mit am schlimmsten  gewesen sein. Von  Anfang an war das  wohl ein
groes Problem fr Lehrer, Eltern und Schler. Ich bekam  davon nicht so viel
mit, wuchs ich  ja frmlich  mit  dieser Problematik  auf und  wrde es  auch
anders gar nicht mehr kennenlernen.
Durch eine Keuchhustenerkrankung konnte  ich erst ein  paar Wochen  spter am
Unterricht  teilnehmen,   zu   einem   Zeitpunkt,  als   schon   viele   lose
Freundschaften in der Klasse bestanden. Die anderen kannten sich bereits mehr
oder weniger, ich kam eines Tages dazu und sah  mich praktisch 30 unbekannten
Gesichtern gegenber. Das stellte  aber kein allzu  groes Problem  dar, denn
schon am -  fr mich  - allerersten  Schultag lernte  ich einen  neuen Freund
kennen (wie sich  allerdings  erst spter  herauskristallisieren sollte,  ein
sehr schwieriger und launischer Charakter).  Jedenfalls freute ich  mich sehr
ber diese neue Bekanntschaft.
Der Kontakt zu meinem alten Grundschulfreund brach mit der Zeit ab. Wir sahen
uns nur  noch unregelmig  im  Bus  - er  ging  auf  eine  andere Schule  -,
verabredeten uns immer seltener, und das Ganze verlief sich dann im Sand.

In der sechsten  Klasse kauften  sich  meine Eltern  einen eigenen  Computer,
einen Atari 1040 STF mit Monochrommonitor, da Freunde  von uns dasselbe Gert
besaen. Als dann so eine Kiste direkt bei uns zu Hause stand war es um meine
Nachmittage endgltig  geschehen und  Computerverbot  erwies  sich fr  meine
Eltern als uerst wirksames Erziehungsmittel. Das zog.
Fr das neue Gert  gab es praktisch  keine Spiele,  schon gar nicht  fr den
Betrieb an   einem  Monochrom-Monitor,  aber  das  machte   nichts.  Mit  dem
mitgelieferten  ST-BASIC  herumzumachen   war  fr   mich   aufregend  genug,
insbesondere bei den Grafikbefehlen gab es viel Neues zu entdecken. In dieser
Zeit fing ich wohl auch an, mir regelmig  Zeitschriften (Happy Computer) zu
kaufen.

Durch den Schulbus lernte ich einen anderen Gymnasiasten aus einem Nachbarort
kennen, der etwa 2, 3 Jahre lter  war und sich unheimlich gut  mit dem Gert
auskannte, vor allem aber jede Menge Software aller  Art hatte, (Hey, Stephan
H...k, wenn Du das hier jemals lesen  solltest, melde dich doch  mal!) die er
mir gerne kopierte. (Ahem) So kam ich dann auch  an ein besseres, schnelleres
BASIC, Spiele -  und Demos.  Das einzige  Problem war,  da  10 Leerdisketten
damals noch an die 60 Mark kosteten.

Whrend einer lngeren  Krankheitsphase kauften  meine Eltern  einen weiteren
Farbfernseher mit Anschlukabel an  den Computer und  so kamen wir  das erste
Mal in den Genu  eines Farbspiels -  Joust. Das  war ein irrer  Spa, dieses
Spiel zu zweit zu spielen  - mit einem  Joystick, man wechselte  sich einfach
ab. Mit der rechten Maustaste bernahm  der Eine das Fliegen,  der Andere mit
dem Joystick das Lenken. Joust sollte mich nicht mehr loslassen.
Und auch oben  erwhnte  Demos nicht,  die  ich mir  ja  nun endlich  ansehen
konnte. Ich war begeistert von den Sachen, die  diese komischen Typen (hatten
ja alle Pseudonyme) auf den Monitor  zauberten und mein  grter Wunsch wurde
es seit dieser  Zeit, einmal  dort dabeizusein.  Bei  den Demoprogrammierern.
hnliches aus dem Gert  rausholen zu knnen.  Und jene  kennenzulernen, TEX,
Level 16, TNT-Crew und wie sie sich  sonst noch nannten, und  auch einmal bei
den "Greetings" aufzutauchen.

In der Zeit, wo andere Kinder also drauen rumalberten  sa ich meist alleine
vor der  Kiste,  mit  GfA-Basic  Stufe um  Stufe  auf  der  Programmierleiter
hochkletternd. Erfolge blieben nicht aus.
Meinen einzelgngerischen  Weg  verfolgte  ich weiter.  Ich  brauchte  andere
nicht, konnte mich wirklich hervorragend selbst beschftigen.
Aber so fgten sich die Steine aufeinander.
Hnseleien in der Schule,  die Schwierigkeiten  mit jenem  launischen Freund,
der so nett sein konnte aber auch mit "A..loch"  oder hnlichem nicht sparte,
wenn es mal im Schulbus  mit Platz-freihalten nicht klappte  (aber eigentlich
brauchte es dafr  keinen Anla...),  enttuschte Unterstufen-Lieben  :-) und
was-wei-ich-noch-fr-Dinge     fhrten       mich      in      eine      Art
Hliches-Entlein-Bewutsein, oder  legten  zumindest den  Grundstein  dafr,
genau kann ich's nicht sagen.
Der groe Br bin ich noch nie  gewesen. Ich war immer  recht schmchtig (was
sich bis heute nicht gendert hat) und den meisten in meinem Kreis krperlich
unterlegen. Ich kam mir ziemlich alleingelassen, ungeliebt  und unbeliebt vor
und suchte so meine Freude eben in dem, womit ich mich auskannte.

In der siebten Klasse,  anllich der Wahl  der zweiten  Fremdsprache, wurden
die Klassen erneut durchgemischt. Neue Leute  gab es zu  entdecken, neue, und
zumindest eine echte Freundschaft entstand, aber an meiner Situation, dennoch
alleine dazustehen -  das  war die  ganze  Zeit mein  subjektiver Eindruck  -
nderte sich dadurch nicht viel.
Um doch  wenigstens  etwas   Aufmerksamkeit  zu  bekommen,  wahrgenommen  und
registriert zu werden, griff ich einmal zu einem  ganz pragmatischen Mittel -
wenn man mit einem groen  Pflaster bzw. Schnitt  in die Schule  kommt konnte
man sicher sein, da sich dann andere - wenn auch nur fr kurze Zeit, das war
das Dumme daran - mit einem beschftigten.

Es mu in dieser Zeit gewesen sein,  als ich das Pseudonym  annahm, unter dem
ich auch spter produktiv war. Brataccas  von Psygnosis war  eines der ersten
Spiele, die ich fr den  Computer in  die Hnde bekam,  und das auch  mit dem
Monochrommonitor lief  (man  konnte  sogar  whrend des  Spiels  den  Monitor
wechseln!...). Es  ging dabei  um  jemanden,  der  undercover auf  einer  Art
Mondbasis ankommt, um hier Beweise fr  seine Unschuld zu  sammeln. Die ganze
Hintergrundstory kenne ich nicht, aber das war die  Handlung, durch die Rume
laufen, Dokumente aufsammeln, auf der Flucht sein vor denen, die einem da ans
Leder wollten. "Kyne is guilty".
Mit Kyne konnte  ich mich  vollkommen  identifizieren. Ich  fhlte mich  auch
allein und unverstanden,  ausgestoen. Und  ging  in dieser  Rolle voll  auf,
begann ab da eine Art  Doppelleben zu fhrend.  In der Schule  Sebastian, die
Mauerblume, das hliche Entlein, wenn ich das so sagen kann, auf dem Rechner
Kyne, der zhe Programmierer, der "einsame Wolf".

  Autoaggression

Die depressive Grundstimmung verstrkte sich. In der Mittelstufe ist man noch
nicht so reif, da man sich Gedanken ber Sinn und Unsinn  des Lebens macht -
ich war's zumindest  nicht -  deswegen blieb  es im  wesentlichen  bei dieser
Stimmung. Deswegen vom Haus zu springen, oder was andere Leute machen wrden,
kam mir (noch) nicht in den Sinn.
Mit meinem Kummer trug ich mich alleine  herum. Nicht, da ich  das htte tun
mssen, zu meinen Eltern hatte ich immer ein ganz gutes Verhltnis (auch wenn
die es  mit  etwas Sorge  sahen,  wieviel  Zeit  ihr  Sohn mit  dem  Computer
verbringt, und das verstrkte  das sich-unverstanden-fhlen noch  etwas), ich
tat es einfach.
In der   sechsten  Klasse  bin   ich  whrend  einer   "Verfolgungsjagd"  mal
unglcklich in das Gelenk einer Toilettentr gekommen. Ich  und andere hatten
unsere helle Freude,  Uli (der  "Schnste  unter den  Butterfssern", wie  er
gehnselt wurde) durchs ganze Haus  zu jagen. Der  Gejagte hielt es  fr eine
gute Idee, sich im Keller in den Toiletten  einzuschlieen, - und schlielich
hatte ich zwei Finger im Trgelenk derselben. Und eine Stunde spter die Hand
in Gips.
Seitdem wuchs dieser  eine Fingernagel  etwas merkwrdig.  Mit  einer anderen
Farbe, viel  dnner,  anders.  Anders.   Und  an  einem  Abend  in  so  einem
depressiven Tief  hielt ich  es,  mit  Pinzette  und Zange  ausgerstet,  fr
hnlich sinnvoll, mir genau den zu ziehen. Warum, kann  ich nicht sagen. Aber
der Schmerz war in dieser Situation nichts wirklich unangenehmes.
Man sprt irgendwie, da man lebt, wenn der ganze Finger pulst...

  Materialismus

Mein Lieblingsfach war seit  der Grundschule Mathe,  auf dem  Gymnasium kamen
nun noch Physik und Biologie dazu. Und ich verlie mich natrlich darauf, da
das, was mir in der Schule erzhlt wurde, auch richtig war.
In Biologie hatten  wir dann  diese "wunderbaren"  Filme ber  Evolution. Per
Zufall zum Einzeller (Pantoffeltierchen oder etwas hnliches), ber primitive
Vielzeller (Volvox-Kugelkolonie) weiter -  bis schlielich zum  Menschen. Wer
hat sie noch nicht  gesehen, diese Streifen.  Hinterfragt habe ich  das alles
nicht, und es erschien  mir auch schlssig,  da man eine  gewisse hnlichkeit
insbesondere zwischen den Sugern nicht  abstreiten kann. (Da das  aber auch
daran liegen  kann, da  dahinter  ein-  und  derselbe Erfinder  steckt,  kam
niemandem in den Sinn).
Ich kann nicht  genau sagen,  woher es  kam, da  ich Gott  immer feindlicher
gegenberstand. Obwohl  ich ein  ziemliches  Jammerleben  fhrte, wollte  ich
partout nicht, da jemand anderes darber bestimmt - und genau das htte Gott
ja bedeutet, da es in der Tat  eine bergeordnete Instanz gibt,  mit der man
nicht ber richtig und falsch diskutieren kann.
Evolution wurde damals festes Werkzeug  in meiner Gott-hau-ab-Argumentekiste.
"Die Wissenschaft  hat  ja wohl  gezeigt,  da  die  Bibel totaler  Kse  ist
(insbesondere die ersten Seiten)", so htte ich geantwortet.
"Die Wissenschaft" und "der Fortschritt" genossen mehr und  mehr mein totales
Vertrauen.

  Zeit des Aufbegehrens

In diesem Alter,  in der  Mittelstufe, war  das  Grenzen-austesten, aufmpfig
sein ein   normales  pubertres  Phnomen,  aber   diese  feindliche  Haltung
gegenber Gott in erster Linie (und die Kirche in  zweiter), dieser Geist der
Rebellion und des Aufbegehrens schwebte einfach in der  Luft, anders kann man
es kaum ausdrcken.
Als im Religionsunterricht das Thema  Qumran - wo ein  arabischer Hirtenjunge
in der 40ern (oder so) antike  Papyrusrollen gefunden hat  - behandelt wurde,
lag es in der Luft: "Der Bibel ist nicht zu trauen, alles wurde verflscht im
Laufe der Zeit..."
Beim Thema Apokryphen  lag  es auch  in der  Luft:  "Der Bibel  ist nicht  zu
trauen, in den Apokryphen steht es, wie's wirklich gewesen ist..."
Und dann die blichen Reizthemen Katholizismus, Papst, Zlibat  und das groe
weite Feld moralischer und unmoralischer Dinge. (Und niemand  machte sich die
Mhe, selbst einmal nachzulesen, wie  es "geschrieben steht" -  die Ablehnung
der Kirche  ging  -  obwohl   zwei  vollkommen  verschiedene  Paar  Schuhe  -
unmittelbar ber in eine  totale Ablehnung  aller Dinge die  mit Gott  zu tun
haben.)
Einem Eugen Drewermann wurde  - obwohl  man gar keine  Ahnung hatte,  was der
Mann berhaupt wollte  - sofort  groe Sympathie  entgegengebracht,  weil man
zumindest das wute, da  der Krach  mit der Kirche  hat, und  schon deswegen
hatte der bei uns einen groen Stein im Brett.

Vor allem aber wurde mir der schlichte Name "Jesus" ein totaler Dorn im Auge.
Wenn von  ihm  die  Rede  war  wurde ich  kribbelig.  Ich  wute  von  seinem
Absolutheitsanspruch, und dafr konnte ich  ihn absolut nicht  leiden, wollte
nichts mit ihm zu tun haben.

  Assembler

In der   neunten  Klasse  fing  ich   an,  mir  Assembler   auf  dem  68000er
beizubringen. ber lngere  Zeit  hatte ich  Zeitungsartikel und  Sourcecodes
gesammelt -  mein  groer Schatz  war  die  "Hexer"-Serie  ber TEX  aus  dem
ST-Magazin von 1988 -  und nach  zwei Wochen in  Hamburg bei  einem Bekannten
(der mich auch fters unterbutterte - wo ich auch hinkam, das begleitete mich
echt auf Schritt und  Tritt :-)  kam ich mit  dem Devpac-Assembler  im Gepck
nach Hause.
Im Schulbus  schaute ich  mir  die Listings  durch  und  versuchte die  Dinge
nachzuvollziehen - Assembler ist eine ganz schn abstrakte Sache, erst in der
neunten kam ich damit zurecht.
Kontakte zu anderen Programmierern entstanden durch Inserate,  und die ersten
Erfolgserlebnisse mit   der  neuen  Programmiersprache   stellten  sich  ein.
Know-How-mig ging es schnell voran -  innerhalb kurzer Zeit  hatte ich dann
den  ersten   Sternplotter   (Sternenfeld)   in   mehreren   Ebenen   laufen,
Laufschriften, Bild ein- und  ausblenderoutinen, Sprites  (bewegte Grafiken),
Distorter (verzerrte Grafiken), spter kamen  die "tricky" Dinge  wie Raster,
Borderffnen, Rasterbars, Sound-Aussteuerungsanzeigen, Samplereplay  und noch
einiges andere.
Mit Freezer-Cartridge und  Reassembler erffneten  sich  weitere interessante
Perspektiven.

Was sich jedoch die ganze Zeit ber nie einstellte, war anhaltende Freude.
Es war immer dasselbe: In irgendeinem Demo gab es einen  Effekt, den ich auch
"drauf haben" wollte,  dann  verging einige  Zeit  mit Grbeln  wie der  wohl
funktioniert, ein paar lange Nchte vor dem Bildschirm,  und schlielich lief
der Effekt, manchmal das Original noch bertreffend, auch auf meinem Rechner,
und die Freude war gro.
Und die Freude war auch  schnell wieder weg.  Da war einfach  keine wirkliche
Befriedigung, solange  ich  nur  alleine  vor meinem  Computer  Know-How  auf
Know-How stapelte, anonym und  fernab von der  Szene, die ich  doch unbedingt
kennenlernen wollte. Zu der ich dazugehren wollte. Dann  hab'ich Erfllung -
dachte ich mir.

  D.C.C.#1

Diese Gelegenheit kam 1993.
Ein befreundeter Atarianer, den ich auch per Inserat  kennenlernte, bekam ein
Invitation-Intro fr  die D.C.C.#1,  die  "Dresden-Coding-Convention" in  die
Hnde, einer Party, die von einer gewissen Gruppe  namens NewLine organisiert
wurde. Und da fuhren wir zusammen hin.
Dieses Treffen sollte den Einstieg in die "Szene" bilden.
Hier kam ich dann mit denen zusammen, meinen Vorbildern. Die Zeit von TEX und
den anderen ST-Pionieren war  zwar bereits lange  zuende, dafr  waren andere
Gruppen auf der Bhne aufgetaucht,  und ein paar  von denen war auch  dort in
Dresden vertreten.
Ein Team namens TNB fragte mich, ob ich mich  ihnen nicht anschlieen wollte.
Sie waren auch erst  seit kurzer  Zeit dabei und  noch recht  unerfahren, und
jemand Assembler-kundiges war hochwillkommen.
Hier, durch TNB, lernte ich auch  Gerald kennen, einen Musiker,  der fr mein
weiteres Leben und dessen Wende noch eine groe Rolle spielen sollte.
Ebenso machte ich hier  Bekanntschaften mit  anderen "Gren"  der Demo-Welt,
mit Leuten,  mit  denen  ich  eine  gewissen  Seelenverwandtschaft  zu  haben
glaubte, hatten wir ja schlielich alle dasselbe groe Hobby.

  Existentielles

Eine faszinierende Entwicklung begann, und rckblickend ist ab hier die Zeit,
wo Gottes Fingerabdrcke  in meinem  Leben fr  mich ganz  besonders deutlich
werden.

Die Jahre gingen ins Land, und mittlererweile besuchte ich die Oberstufe. Die
existentiellen Fragen des  Lebens tauchten  auf, und  insbesondere  die Frage
nach der Zukunft machte mir  zu schaffen. Vor  der hatte ich Angst.  Da kommt
nichts gutes, dachte ich.
Da waren die Nachrichten  ber das Ozonloch.  ber den  Treibhauseffekt. ber
die Wasserverschmutzung. ber die Massen von Atommll,  die sich ansammelten,
und deren  Problem  der  Entsorgung  nicht gelst  war.  Die  Tierarten,  die
tagtglich ausgerottet wurden und werden.
Die Umwelt und ihre Zerstrung   lagen mir  besonders schwer auf  dem Herzen.
Dazu kamen die  anderen  schlechten Prognosen  bezglich  Rstung und  Krieg,
Kriminalitt, Arbeitslosigkeit, Gewaltspirale etc. etc.
Das alles lastete schwer  auf mir. Bezglich  der Zukunft sah  ich vollkommen
schwarz ("Ich  bin nur  Realist...").  Das  war  das Sahnehubchen  zuzglich
meiner ganzen anderen Probleme,  die sich ja  auch nicht gebessert  hatten in
der Zwischenzeit.

Viele meiner Jahrgangsstufenkollegen luteten, was die "Beschftigung mit dem
anderen Geschlecht"  anging  (das  in der  Zwischenzeit  immer  interessanter
geworden war :-), bereits die zweite oder dritte Runde ein.
Jeder hatte so seine Freundin, nur mit mir konnte keine was anfangen, und ich
konnte mir nicht  erklren, woran  das  wohl lag.  Alle Versuche  meinerseits
verliefen frher oder spter im Sand. Garantiert.
Heute bin ich froh darber, aber damals hatte ich daran arg zu knabbern.

Und die Beschftigung  mit dem  Computer brachte  auch nicht  die  Freude und
Befriedigung, die ich mir erhoffte.
In der Zwischenzeit waren mehrere kleine Intros entstanden,  ein greres fr
TNB's Diskmag "Undercover", dieses und jenes kleines Utility, aber die Freude
darber, ein Projekt abgeschlossen zu haben, hielt nie lange an.
3D-Programmierung war am  Anfang eine  echte Herausforderung.  Mal  selbst so
einen sich  drehenden Drahtgitterwrfel  zu  programmieren  oder ein  anderes
Objekt, das war fr mich  ein Meilenstein. Aber  kaum war die  Hrde genommen
war die Freude darber  schon wieder  weg. So  suchte ich  mir neues  Ziel um
neues Ziel, aber richtige, dauerhafte Freude gab das nicht.
Und auch das mit-dabei-sein, zur-Szene-gehren  war nicht der  groe Bringer.
So oft telefonierte  oder schrieb  man sich  auch nicht,  wie ich  das frher
dachte. Und persnlich sah man sich nur ein, zweimal im Jahr auf den Parties,
die  regel-  mig   stattfanden,  sonst   aber,  wegen   der   meist  groen
Entfernungen, nicht.
Mit TNB ging es aufwrts. Das  Diskmag UnderCover hatte  schon einen gewissen
Bekanntheitsgrad erreicht, wir waren oder  wurden "wer". Aber  jedesmal, wenn
ich einen mir festgesetzten Meilenstein erreicht hatte, kam kurze Zeit spter
die ernchternde Frage "Und das war's jetzt gewesen?".
Das war auch spter nicht anders. Nach anfnglicher Begeisterung fr die neue
Hardware und die Mglichkeiten, die sich auf anderen Rechnern und Prozessoren
boten - MC68000, MC68030,  DSP56001, RISC,  80x86, ist  alles das  Gleiche -,
flachte die Freude ber  Erfolge immer schnell  wieder ab.  Vormalige "Bcher
mit sieben Siegeln" - Hardwaretricks, 3D, etc. - waren schnell ausgelesen und
wurden langweilig.
"Und ich wandte mich hin zu allen Werken, die meine Hnde gemacht, und zu der
Mhe, womit  ich  wirkend mich  abgemht  hatte:  und  siehe, das  alles  war
Eitelkeit und ein  Haschen nach  Wind; und  es gibt  keinen Gewinn  unter der
Sonne." - Prediger 2,11

  Leere

So kam alles zusammen.
Die Hohlheit meines eigenen  Lebens wurde mir  immer mehr bewut,  alles, das
ganze Leben erschien mir von Tag zu Tag sinnloser. Wofr? Wofr alles?
Die Lernerei in der Schule ging mir  so elend auf den Keks,  dazu die nagende
Frage "Wofr lernst  Du  eigentlich  den ganzen  Krempel?".  Die Zukunft  sah
raben- schwarz aus. Meine Mitschler kamen ganz offensichtlich auch ohne mich
gut zurecht, meine Mitschlerinnen  sowieso, das hatte  ich ja nun  oft genug
erfahren. Das ganze Klima war  so eisig, da  die Leute morgens  nichtmal den
Mund fr ein simples "Hallo" oder "Guten Morgen" aufbekamen.
Was hatte mir die Welt berhaupt zu bieten?
Ich hatte mich mit dem Gedanken abgefunden, sowieso eines Tages mal unter der
Erde zu liegen. Da ich nur ein "veredelter Affe" war,  der seine Existenz nur
einem mehr-oder-weniger glcklich-dummen  Zufall verdankt  und  "Mutation und
Selektion" - Gott hatte ich ja aus meinem Weltbild  fortgeschafft - hatte ich
auch in dieser Hinsicht keinen tieferen Sinn zu erwarten.
So packte ich eine  Rasierklinge in mein  Portemonnaie, die  mein bestndiger
Begleiter wurde, und ich geno  die neue "Freiheit", jederzeit  Schlu machen
zu knnen, wenn es mir zu bunt wurde. Ich wartete nur drauf.
Eine Wanderung auf des  Messers Schneide, im  wahrsten Sinne des  Wortes. Und
ich hab' es wirklich als Freiheit empfunden, in dem Wahn.

  Unten, erstes Mal

Zum entscheidenden Punkt kam es die nchste Zeit nicht.
An einem ganz blen Tag,  an dem ich  mal berhaupt nicht mehr  weiter wute,
heulte ich  mich bei  einer  ganz  flchtigen  Bekannten im  Herrengarten  in
Darmstadt vollstndig aus. Ich kannte sie wirklich kaum.
Danach ging es auch kurze Zeit, kurze Zeit wieder  aufwrts. Kurze Zeit, denn
die Probleme waren ja nicht beseitigt, alle Fragen harrten nach wie vor einer
Antwort. Aber das sollte ein neuer Anfang werden,  und nach diesem Nachmittag
gab ich mir einen  Ruck und wollte  von nun  an mal aus  meinem Schneckenhaus
hinaus von mir aus auf andere zugehen, mich  berwinden, ber meinen Schatten
springen und selbst Initiative  ergreifen. Das ging  auch, aber,  wie gesagt,
auch nur fr eine kurze Zeit.

  Weiter unten, zweites Mal

Aber ein paar  Wochen spter  war ich  wieder am  selben Tiefpunkt,  und nach
einem tristen Nachmittag  im  "Dieburger" Biergarten  (eigentlich falsch,  es
mte heien "Biergarten in der Dieburger Strae" - in Darmstadt) auf dem Weg
auf die Marienhhe, um mich dort auf  eine Bank zu setzen  und mich auslaufen
zu lassen.
Ich stellte mir  das nicht  allzu schwierig  vor, so  schmerzhaft  konnte das
nicht sein - hatte schon  vorher mal im  Affekt die Linie mit  einer scharfen
Pinzette gezogen, und das war wirklich  auszuhalten - und wenn  es doch einen
Gott gibt, das  wird schon  klappen, da  ich dem  mein "Leben"-beschriftetes
Pckchen zurckgebe.
Ich bin ein Narr gewesen. Wie ich vor dem berhaupt  dastehe, daran hatte ich
nicht einen Moment gedacht.
Gott-sei-Dank, und das kann ich wirklich so schreiben, an  dem Abend hat mich
auf halbem Weg doch  "etwas" zurckgehalten.  Zum einen  Teil hatte  ich doch
Bammel vor so etwas  endgltigem, zum  anderen Teil  hat Er  sich in  den Weg
gestellt. Er wollte mich nicht ins offene Messer laufen lassen.

  Joseph Weizenbaum

Die Computer-Entwicklung und Automatisierung  begann ich  zu Oberstufenzeiten
schon etwas kritischer zu sehen. Am Horizont zeichnete sich zustzlich zu den
anderen Katastrophen diese berwachungsmaschinerie  und totale  Kontrolle ab.
Durch meine Beschftigung und "1984" hatte  ich ein Auge  dafr bekommen, was
fr Gefahren in der Hochtechnisierung lagen.
Mein Fortschrittsglaube -  der  ja  doch irgendwie  vorhanden  war, fr  mich
persnlich sah ich zwar nur eine  dstere Zukunft, aber  global gesehen hegte
ich doch die Hoffnung, da sich die Menschen mit Hilfe der Technik vielleicht
doch noch den Himmel auf Erden schaffen - bekam erste Risse.

Im Ersten kam an  einem Tag  dann abends  eine Reportage  von Gero  von Boehm
(oder so) ber drei oder vier  Visionre in  der Computerbranche. Dabei waren
Marvin Minsky vom  MIT-Media-Lab,  Danny Hillis  von  Thinking Machines,  ein
Informatiker der eine Art sehenden Chip entwickelt hat  und wohl noch jemand,
den ich aber vergessen habe,  und, - als  einzig vernnftige Stimme  - Joseph
Weizenbaum.
"Marvin Minsky ist  einfach grenwahnsinnig",  dachte ich  mir.  "Gehirn mit
Computer koppeln, total bekloppt, der Mann hat doch ein  Rad ab". Diese ganze
Cyber-Kultur war mit  zuwider  (die Begeisterung  fr Gibson's  "Neuromancer"
konnte ich ebenfalls nie nachvollziehen).
Danny Hillis wirkte  etwas  weniger abgedreht,  war  mir aber  immer noch  zu
vertrumt, als er von seinen massiv-parallelen Rechnern erzhlte.
Naja, und der Informatiker, der hatte seine helle Freude, ein kleines Auto zu
"erschrecken", auf das er sein Chip-Auge montiert hatte und das dann jedesmal
in eine andere Richtung davonfuhr. Der war das groe Kind von den dreien.
Von Joseph Weizenbaum  war  ich angetan.  Der  hatte ein  wachsames Auge  und
vernnftige Ansichten. Der sah die ganze Entwicklung kritisch,  wagte es, das
alles zu hinterfragen.

In der Stadtbibliothek schaute ich  nach Bchern von  ihm, die ich  dann auch
gleich bestellte.
"Die Macht der Computer  und die Ohnmacht  der Vernunft" wurde  ein prgendes
Buch - in dieser Zeit - fr mich.  Und fhrte mich auf den Weg,  nur noch fr
mich selbst zum Spa zu  programmieren. Ursprnglich hatte ich  gedacht, nach
der Schule mal Informatik zu studieren -  sollte die mal vorbei  sein und ich
noch am Leben - aber nun fing ich an davon Abstand  zu nehmen. Ich wollte die
ganze Entwicklung nicht  auch noch  frdern, indem  ich in  der  Branche nach
einem Job suche.

Das ist die  wunderbare, faszinierende  Entwicklung: Wie  Gott mich  hier von
meinem sturen, blinden Fortschrittsglauben wegholte. Langsam Stck fr Stck,
aber dennoch stetig weg  vom Fortschrittsglauben, (ber  einen Umweg)  hin in
seine Richtung.
Sanft, weh hat's nicht getan. Ich wurde offener.
Zunchst natrlich  fr  alles  mgliche,  aber  wie  sollte  das  in  diesem
Zwischenstadium auch anders sein.

Was ich frher  nur zu  gerne machte,  mich ber  "Glauben" lustig  zu machen
("Glauben ist nicht Wissen...") und die "unaufgeklrten,  naiven Leute" durch
den Kakao zu ziehen, die noch an das Mrchen von einem Gott glauben - wo doch
jedes Kind wei, wie's  wirklich gelaufen ist,  "nmlich mit Ursuppe  und nix
mit 6 Tagen" - das war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr mglich.
Zu hart hatte  ich  selbst erfahren,  was  das heit,  allein ein  vollkommen
hohles, sinnloses Leben ohne Zukunft zu  fhren, so da  ich eine regelrechte
Sympathie Menschen gegenber zu empfinden begann, die  ber der Sinnlosigkeit
ihres Lebens Trost  und Hoffnung  bei einem  Gott, in  einer Religion  - egal
welcher Art - suchten.
Nun konnte ich das nachempfinden.
Und ich sympathisierte mit dem Gedanken, da es da noch etwas "ber uns gibt"
(wovon ich natrlich nicht  wute, wie das  aussehen sollte), und  fand diese
Mglichkeit immer reizvoller.
Von den  gottlosen Philosophen,  deren  Theorien  wir im  Religionsunterricht
durchkauen muten, hatte  ich die  Nase voll,  wute mittlererweile,  da die
auch nicht helfen knnen und betrachtete  es auch nicht mehr  als gute Sache,
anderen Menschen den Glauben madig zu machen.

  Alien

Der Weg zum Richtigen fhrte allerdings ber einen groen Umweg.
Den Film "Alien" (mit Sigourney Weaver) fand ich  schon lange Zeit unheimlich
faszinierend  -   und  habe,   seitdem   eines   Morgens   im  Radio   dessen
Fernsehauffhrung angekndigt wurde, den Namen H.R.Giger nicht mehr vergessen
- der Schweizer "Knstler", der das  Alien (eine bizarre  Mischung aus Reptil
und Insekt) Ende der 70'er entworfen hatte.
Auf einem Bcherstand  im Darmstdter  Hauptbahnhof entdeckte  ich  1994 dann
einen seiner (preiswerteren) Bildbnde, und setzte mich  immer intensiver mit
ihm und seiner "Kunst" auseinander. Es blieb nicht bei diesem einen Bildband,
andere seiner Werke gesellten sich nach kurzer Zeit dazu.
Obwohl alles andere als schn  oder sthetisch faszinierten mich  die Bilder.
Die dsteren Farben, die bizarre  Verquickung von Biologischem -  Lebewesen -
und Technik -  Metall, Glas  -  zu "Biomechanics"  bt auf  viele eine  groe
Faszination aus.

  Ungesunde Neugier

Gigers Sicht der Welt kommt in nicht wenigen  Bildern klarstens zum Ausdruck.
Die ganze Symbolik - hier ein Pentagramm, da ein umgekehrtes Kreuz - als auch
die Texte in den  biographisch angehauchten  Bildbnden offenbaren  dem Leser
schon nach kurzer Zeit, in welchen finsteren Kreisen er  sich bewegt, und wen
er mit seinen Bildern augenscheinlich verehrt - das Wesen, das auch die Bibel
bestens kennt, den "Menschenmrder von Anfang" und "Vater der Lge".
Ich war zu dieser  Zeit wie beschrieben  noch gegenber  jeder Weltanschauung
aufgeschlossen, den ganzen okkulte  Krempel fand ich  zumindest "interessant"
und hielt das fr ein Gebiet, in  das man hineinschnffeln -  mehr wollte ich
gar nicht  -  kann,  ohne  sich  dabei  gehrig  die  Pfoten  zu  verbrennen.
Dementsprechend schnell war  ich im  Besitz  "richtiger" Bcher  (die ich  an
dieser Stelle aus einsichtigen Grnden nicht nennen will).

Das alles mu  so im  Sptsommer  bis Herbst  1994 gewesen  sein. Mit  Gerald
verband mich mittlererweile eine oberflchliche Freundschaft, seitdem er mich
seit dem Sommer  mehrmals besucht  hatte.  Geschrieben hatten  wir uns  schon
lnger, aber an diesem einen Tag waren er und Torsten gleichzeitig zu Besuch,
und im "Gorki Park" in Darmstadt hatten wir - neben anderen Themen - ein sehr
intensives Gesprch ber dieses  Thema (bei dem  sich Torsten, bis  heute [?]
sehr zurckhlt :-).
Geralds Autoaufkleber (ein Fisch mit dem Satz "Vorsicht Jesus Freak") war mir
anfnglich ein echter Dorn im Auge.  "Oh Mann, was  fr 'ne Type hast  Du dir
denn da geangelt..." dachte ich zuerst, aber nachdem wir  uns nun schon etwas
besser kannten und  er doch  wirklich ganz  nett zu  sein schien  blickte ich
wohlwollend darber hinweg.

Die beiden schwarzen  Bcher  (von  denen Gerald  nicht  gerade angetan  war)
beschftigten mich. Das erste, Kleinere hatte ich  bereits ganz durchgelesen,
aber erst das Zweite kam "richtig zur Sache", und mir gingen die Augen auf.
Innerhalb einer Woche war mein damaliges  Weltbild - indem  fr einen "Lieben
Gott" nun schon etwas  Platz war,  fr etwas  anderes aber  nicht -  nur noch
Schutt und Asche.

  Schlo Falkenberg, Wabern - Rckblick

Whrend der Mittelstufe  (wenn ich  mich nicht  irre) waren  wir mal  von der
Schule aus auf "Besinnungstagen" in einem wirklich christlichen (d.h. auf dem
Boden der Schrift) Therapiezentrum fr Drogenabhngige in Nordhessen. Ich kam
zu dieser "frommen" Aktion  aber nur mit,  weil es fr  die Daheimgebliebenen
sonst eine Woche Blockunterricht  - und  der ist  sehr unangenehm  - bedeutet
htte. Die  Aussicht  auf   ein  "gediegenes  Besufnis"  war  da  wesentlich
angenehmer.
Fr die Woche waren  neben der Besichtigung  der Therapieeinrichtung  und der
einzelnen Arbeitssttten auch  Gesprche mit  den Leitern  ber  ihre Arbeit,
Erfolge und Grundlagen geplant  - von denen  ich alles andere  als begeistert
war. "Naja, vom  Heroin-Trip runter,  auf dem  Jesus-Trip drauf,  wo  ist der
Unterschied" dachte ich damals noch  - und, es  lag in der Luft,  die anderen
dachten hnlich.
An einem Abend sollte ein Gesprch mit einem Ex-Junkie stattfinden, das ich -
ich wei nicht ob ich's Glck  oder Nichtglck nennen soll  - nicht mitbekam,
da ich in der Kche mit  Abwasch splen beschftigt  war. Johnny's Geschichte
war fr meine aufgeklrten Mitschler mitsamt den Lehrern (davon ein Pfarrer)
allerdings eine irre Keule - nicht wegen seiner  blen Vergangenheit, sondern
wegen seiner (neuen)  Sicht der  Dinge. Und  in keinem  einzigen  von unseren
modern erzogenen Kpfen war noch Platz fr einen Teufel und die Gerichte, von
denen die Offenbarung neben  anderen Stellen  in aller  Deutlichkeit spricht,
und die Johnny an diesem Abend den anderen plastisch vor  Augen malte. Es mu
ein ziemlicher Hammer gewesen sein.

  Die Weltbild-Abribirne

Und dieses "moderne"  Weltbild,  mit  dem ich  aufgewachsen  war, dieses  war
innerhalb krzester Zeit  in Trmmer  gehauen. Auf  einmal waren  meine Augen
dafr aufgerissen worden, da es  tatschlich mehr gibt als  diese materielle
Welt, eine unsichtbare. Und etwas wirklich Bsartiges, mit  dem ich mich hier
eingelassen hatte.
Ich hing vollkommen in  der Luft,  hatte nichts  mehr zum  festhalten, fhlte
mich wie im  freien Fall.  Die beiden  Bcher wurden  mir unheimlich  und ich
wollte nichts lieber, als  sie loszuwerden. Ich  wollte mit der  ganzen Sache
nichts mehr zu tun haben.
An einem  Herbstnachmittag 1994  fuhr  ich  mit  Rucksack, Schaufel  und  dem
greren Buch in den Wald - das  andere hatte ich bereits  anders beseitigt -
und vergrub es  einigermaen  tief.  Die Stelle  lag  abgelegen, viele  Meter
entfernt vom nchsten Weg. Um sie  wiederzufinden legte ich in  der Nhe zwei
markante Holzstcke hin - wo  sich ihre Linien  kreuzten, hatte ich  das Buch
vergraben - denn die Stelle war bereits gut getarnt und  fiel mir selbst kaum
noch auf. Dann machte ich mich auf den Heimweg. "Jetzt bist Du's los", dachte
ich.

  Fehlgeschlagene Buchkompostierung

Ein Trugschlu, denn richtige Ruhe bekam ich darber  trotzdem nicht. Stndig
war da der Gedanke "Ach, httste's  doch blo verbrannt" und  ich sprte, da
das der richtige Weg gewesen  wre, das Miststck  ein fr alle  Mal richtig,
unwiederbringlich zu zerstren. Das wrde  nun aber sehr unbequem  werden und
so schob ich es noch einige Zeit vor mir her.
An einem Tag ging  es dann  einfach nicht mehr  weiter aufzuschieben.  Es war
kein gutes Wetter - es nieselte und war kalt - aber  von der Unruhe getrieben
setzte ich mich auf's Fahrrad  und suchte den  "Ort des Geschehens"  auf. Die
Holzstcke waren auch noch vorhanden, und  ich begann zu graben.  20 cm, aber
kein Buch. Nochmal 20 cm, aber immer noch kein Buch. Und noch tiefer, aber da
war kein Buch!  "So tief  hast Du  doch damals  gar nicht  gebuddelt,  es ist
bestimmt an einer anderen  Stelle." -  aber die Stelle  pate, und  der Boden
ringsherum war im Unterschied hierzu auch total fest.
Ich hatte mich nicht geirrt,  das Buch war  verschwunden. Und Ich  bekam eine
irre Angst.
Was war wohl geschehen? Hat damals jemand zugesehen und es mitgenommen? (Aber
warum hat der die Grube dann  nicht einfach offengelassen?)  Der Frster? Und
was ist, wenn es nun in den falschen Hnden ist? - Mir  war klar, was fr ein
Unglck das Ding anrichten konnte.
Tausend Gedanken schossen  mir durch  den Kopf,  aber keinen  einzigen Klaren
konnte ich fassen. Die Grube war schnell wieder zugeschttet, die Schaufel im
Rucksack verstaut und ich mit schlotternden Knieen auf dem Heimweg. Mir wurde
schlecht bei dem Gedanken, das Buch knnte sich nun  in den "falschen Hnden"
befinden.

  In der Sackgasse

Zuhause ging ich nur noch ruhelos im Zimmer umher und zitterte. Was hatte ich
da angerichtet!  Und wie  sollte  ich  das  wiedergutmachen knnen,  wenn  es
jemanden in wirkliche Schwierigkeiten bringt  oder gebracht hat?  Meine ganze
Schuld stand mir  in  diesem Augenblick  vor  Augen, im  besonderen aber  die
jngste Sache - mit  wem hatte  ich mich  da eingelassen!  Und mir  stand vor
Augen, da ich an Gott -  wenn es die "andere  Seite gibt", dann  ihn ja erst
recht - schuldig geworden war - an ihm.  Und da ich vor ihm  jetzt ganz ganz
schlecht dastehe.
Das war der Punkt, an den er mich die ganze Zeit  haben wollte, das Ziel. Der
Punkt, an dem viele Menschen aufgrund ihrer sturen Selbstgerechtigkeit leider
nie ankommen, da sie sich  die Ohren zuhalten  und sein Urteil  nicht anhren
wollen:
"Es ist  kein  Unterschied,  alle  (ohne  Ausnahme,  also  auch  ich!)  haben
gesndigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes..." (Rmer 3,23).
Und hier stand ich nun und wute,  wenn es nach meiner Schuld  geht, habe ich
nichts zu lachen. Ach,  wenn es  doch mglich  wre, die  loszuwerden... (Der
Vers geht glcklicherweise noch weiter!)
Das war mein allererstes, aufrichtiges, wirklich ernstgemeintes Gebet. "Herr,
bitte rechne mir das nicht zu, hol' mich hier bitte  irgendwie raus..." - den
genauen Wortlaut  wei  ich nicht  mehr,  aber  sinngem  war das  der  Kern
gewesen.
Danach geschah erstmal... Nichts. Ich stand  auf, aber mein  Herz pochte noch
genauso wild wie im Wald und ich war auch noch genauso zittrig wie im Wald.
Kein "Licht"  was   auf  einmal  in  meinem  Zimmer   war,  berhaupt  nichts
auergewhnliches. Da hatte sich nichts  gendert. Keine Ahnung, wie  ich den
weiteren Abend verbrachte, irgendwie kam ich  dann ins Bett und  schlief - oh
Wunder - trotzdem bald ein.

  Neuer Tag

Am nchsten Tag  wachte ich  von selbst  auf -  es war  Wochenende,  oder wir
hatten Ferien -, lag noch eine Weile  so rum, und erinnerte mich  dann an den
Vorabend. Sptestens ab da war ich dann wirklich hellwach,  als mir die Sache
mit dem Buch wieder in den Sinn kam!
Aber - ich hatte Frieden. Die groe, tonnenschwere Last  vom Vorabend war von
meinem Herz weggenommen.  "Moment," dachte  ich, "bild'  Dir hier  mal nichts
ein.". Und ich versuchte mir Sorgen zu machen, griff die Gedanken, die mir am
Vorabend noch durch den Kopf rasten - "Was ist mit dem, der es gefunden hat?"
- wieder auf... - Aber das klappte nicht. Die Ruhe darber ging nicht weg, da
war nichts zu machen. Das fand' ich natrlich gut - und ahnte, da das sicher
mit jenem Gebet zusammenhing.

  Gott kennenlernen

Ab diesem neuen Morgen wollte ich diesen Gott, den  ich bereits erlebt hatte,
nher kennenlernen. Bis jetzt wute ich ja berhaupt nichts  von ihm, nur ein
paar Dinge, die Gerald mal so erzhlt hatte.
Im Haus konnte ich dann auch eine Bibel auftreiben - die  alte Luther von '56
von meinem Opa  (mit  historisch-kritischen Quellenanmerkungen  :-), die  ich
schon zum Konfirmationsunterricht mal in der  Hand hatte. Da  hatten wir auch
ein, zweimal drin gelesen. Diesmal war es aber  umgekehrt. Diesmal wollte ich
es, freiwillig, und niemand hielt seinen Finger drauf.
"Von vorne   bis  hinten  gerade  durchlesen"  hatte   ich  mir  ursprnglich
vorgenommen und fing beim 1.  Buch Mose mit  lesen an -  eigentlich schlechte
Startbedingungen, wie mir spter  oft andere sagten,  die zum  Einstieg immer
Johannes empfehlen. Mglichst ohne  Vorurteile wollte  ich rangehen  und lie
die Sache mit  der  Schpfung -  in der  Schule  hatte ich  ja etwas  anderes
gelernt - einfach  mal stehen.  Und zeichnete  spaeshalber  meinen Stammbaum
mit, wenn  Geschlechtsregister  aufgezhlt  wurden (die  sonst  sehr  schnell
langweilig werden).
Was mich dabei schnell stutzig machte, war die Tatsache, da der immer grer
und grer und grer wurde und eine Seite schon lange nicht mehr ausreichte.
Und ein Ende war  immer noch nicht  abzusehen -  und die erste  Frage tauchte
auf: "Wer um alles in der Welt  htte Interesse daran, sich so  etwas aus den
Fingern zu saugen?"
Die Bibel ist kein normales  Buch. Was ich  sehr schnell spren  durfte, war,
da da  beim  lesen  "jemand  zieht"  -  oder  anschiebt,  wie  man's  sieht.
Vorausgesetzt, man begegnet ihr  mit einem offenen  Herzen und  schreibt Gott
nicht vor, was mglich ist und was nicht funktioniert. Langeweile wollte auch
nicht aufkommen, dafr was alles  viel zu neu  und zu interessant  (nicht da
der Eindruck entsteht - langweilig ist sie auch jetzt nicht!).
Was mich ebenfalls  erstaunte, war  die Offenheit,  mit der  sie  ber unsere
Schuld spricht. Ich wei nicht, was Du fr ein Typ bist, aber wenn ich groben
Mist gebaut habe, hab' ich doch immer  versucht, mich aus der  Affre und die
Sache aus dem  Blickfeld zu  ziehen. Die  Bibel ist  anders -  da  wird nicht
vertuscht, was diese(r) und  jene(r) auf  dem Kerbholz  hat, da  werden klare
Worte geredet und nichts beschnigt.
Man bekommt den Eindruck, da da  "in Wirklichkeit" jemand  schreibt, der die
Menschen durch-und-durch kennt, aber alles "von oben" sieht - und deswegen so
klar ber Unrecht schreiben  kann, weil er  selbst damit berhaupt  nichts zu
tun hat.

Aus meinem ursprnglichen Plan, sie  von vorne bis  hinten an einem  Stck zu
lesen, wurde dann doch nichts. Beim Lesen des 3. Buch Mose war da stndig der
Gedanke, doch lieber "gleich" mit  dem Neuen Testament anzufangen,  und nicht
erst in einem Jahr, denn solange htte es sicher noch gedauert.
Es "zieht" jemand. Und sich mit  Gottes Wort, mit  seinen Gedanken, Ansichten
und Absichten zu beschftigen hinterlt vielfltige Spuren.

  Fried Bits #3

Im April 1995 fand die Fried Bits #3 in Bremen statt. Gerald und mich verband
mittlererweile eine groe Freundschaft,  die weit  ber das  gemeinsame Hobby
hinausging. Der Herr  war nun  zum einigenden  Band geworden,  auch  wenn das
Tief, durch  das  Gerald  ging,  noch  einige  Zeit  anhalten  sollte.  Durch
Ereignisse und Erfahrungen,  die er  aber besser  selbst schildert,  hatte er
sich einigermaen weit  vom ihm  entfernt  - uns  sein Glck,  wie ich,  beim
Computer gesucht, auch sein groer Wunsch war es, einmal "dazuzugehren".
Whrend dieser drei Tage  wurde unsere Abspaltung  von TNB offiziell.  Ab nun
waren (nur) wir beide die "Spirits", ein Name,  der gewissermaen auch unsere
Geisteshaltung ausdrckte,  die  wir  seit  lngerem  teilten  -  ebenso  die
Absicht, nur noch "fr  uns selbst",  "zum Spa"  zu programmieren,  denn die
Weizenbaum-Bcher hatten auch an ihm Spuren hinterlassen.

  Schrittweise

Im Frhjahr 1995 war Gerald mal wieder  in Darmstadt zu Besuch,  und an einem
Abend saen wir zusammen im "Gorki Park". "Gerald", sagte ich, "das mit Gott,
also da es den gibt, ist  fr mich kein Thema  mehr, den durfte  ich ja in
der Zwischenzeit kennenlernen  -  aber das  mit  der Evolution,  ich wei  ja
nicht, ob  ich  mich  davon  trennen kann.".  Wir  diskutierten  nicht  lange
darber, fr ihn war Schpfung ausgemachte Sache. Und ich war zumindest schon
so weit, mich  auf faule  Kompromisse wie  "Theistische Evolution"  gar nicht
erst einzulassen.
Es sollte kein halbes Jahr  ins Land  gehen. Im Sommer  - das Abitur  war gut
berstanden und die Verabschiedung ist auch schon gewesen,  ich hatte mit der
Schule also gar nichts mehr zu tun - traf ich mich mit einer Schulfreundin im
"Dieburger Biergarten" und wir kamen auf das "Thema  Nr.1" (zumindest was fr
mich Thema Nr. 1  geworden ist,  wahrscheinlich hab ich  das damals  auch vom
Zaun gebrochen)  -  und da  ich  die  Vergangenheit  der Menschheit  nun  so
annehmen kann, wie  es auf  den  ersten Seiten  geschrieben steht.  Wirklich,
ehrlichen Herzens, akzeptieren. "Britta, das mit Schpfung ist fr mich kein
Thema mehr...", so oder hnlich wird der Satz gefallen sein.
Andere Hinweise von naturwissenschaftlicher Seite aus, da Schpfung durchaus
- was  ich  zur  "alten  Zeit"  ja  niemals  fr  mglich  gehalten  htte  -
Hand-und-Fu hat, und  Evolution  nicht die  einzige Deutungsmglichkeit  der
Fakten sein mu, ja, sogar plausibler  ist, solche Werkzeuge  sollte ich erst
ein weiteres Vierteljahr spter in die Hnde bekommen.

An einem anderen Tag, von dem ich  aber nicht mehr sagen kann,  wann das war,
fuhren wir von der B42  gerade auf die  A5 in Richtung Frankfurt  auf. Gerald
war kurz  zu Besuch  und  wir  wollten ein  paar  Tage  zusammen in  Wrzburg
verbringen. Es war in diesem  Autobahnabschnitt, als ich sagte,  "Gerald, da
mit Gott und (man  beachte die Steigerung  "und") Schpfung ist  kein Thema
mehr fr  mich, aber  was  Jesus  Christus bei  der  ganzen  Sache soll,  da
verstehe  ich  einfach  nicht."   -  Diese   Frage  blieb   nicht  allzulange
unbeantwortet.
Als wir das nchste Mal hier vorbeifuhren erinnerte ich  mich an das damalige
Gesprch, und nun war auch das kein Thema mehr, wie  ich mit nicht geringer
Freude erzhlte.

Es "zieht" jemand. Anders kann man das alles kaum ausdrcken.

  Geffnete Augen

Woran ich  damals  an  jenem "schicksalhaften"  Herbstabend  berhaupt  nicht
dachte, war die  Grundlage, auf  der Gott  berhaupt vergeben  kann.  Wie das
funktioniert, da Schuld weggenommen und vergessen wird - und dafr hatte ich
noch eine ganze Zeitlang gar keinen Blick.
Was ich frher  gerne als  Ausflucht (anders  kann man  es  nicht bezeichnen)
benutzte, war das "Argument" "Mit einem Gott, der  seinen sogenannten eigenen
Sohn am Kreuz sterben lt, mit  dem lasse ich  mich doch nicht ein,  was ist
denn das fr einer, dem kann man (sich) doch nicht (anver)trauen!?".
In dieser Zeit ffnete Er mir darber die Augen, da Er, Gott selbst, es ist,
der hier am Kreuz meine Schuld  bezahlt und - stellvertretend  - meine Strafe
trgt und damit die Grundlage schafft, auf der er mir gerecht vergeben kann.

Das Kreuz stellt es mit aller Deutlichkeit vor Augen:
Da Gott heilig ist und Snde nicht sehen kann,
Da Gott gerecht ist und Schuld gerichtet und bezahlt werden  mu - er drckt
nicht etwa ein Auge darber zu und lt fnf gerade sein -
Da Gott uns Menschen  liebt und alles  gegeben hat,  um uns vor  Gericht und
Verdammnis zu bewahren
Da damit Himmel und Hlle "hammerharte" Realitt sind
Und da es keinen einzigen anderen Weg der Erlsung gibt - gbe es ihn, htte
der Herr Jesus nicht sterben mssen.

Weil Er meine Strafe  getragen und  bezahlt hat  - es  ist nichts  mehr davon
brig - darf ich straffrei ausgehen und einen neuen Anfang machen!

"Ihrer Snden und Gesetzlosigkeiten  werde ich nie  mehr gedenken"  - Hebrer
10,17
"Wenn eure Snden wie Scharlach sind, wie Schnee sollen sie wei werden; wenn
sie rot sind wie Karmesin, wie Wolle sollen sie werden." - Jesaja 1,18
"Du, du zogest liebevoll  meine Seele aus  der Vernichtung Grube,  alle meine
Snden hast Du hinter deinen Rcken geworfen." - Jesaja 38,17

  Und weiter?

Wie ging es dann weiter?  An dieser Stelle  hren die meisten  Zeugnisse auf,
und man hrt manchmal  den Vorwurf,  die ganze Geschichte  hre sich  doch zu
regenbogenhaft an -  vorher alles  ausnahmelos schlecht,  nach  der Bekehrung
alles ausnahmelos gut, eine Vorstellung, die ich anfangs auch noch hatte.

Die Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus,  mit ihm zu leben,  gestaltet einen um.
Durch die Schrift bekommt man eine ganz andere Sicht der Dinge.
Es ist wie mit  einer berschwemmten  Berglandschaft -  Erst wenn  das Wasser
absinkt, erkennt man,  da die  einzelnen Berge  miteinander durch  Tler und
Straen verbunden sind. So hnlich war es hier.
Die Bibel ist kein antiquitiertes, veraltetes Buch, was  heute nichts mehr zu
sagen hat, ganz im Gegenteil. Dinge, von denen ich  vorher nie gedacht htte,
sie knnten etwas miteinander zu tun haben, waren  nun auf einmal miteinander
verbunden -  die ganze  Weltsituation  mit Umweltzerstrung,  Globalisierung,
Automatisierung, die Zuflucht  in  die unzhligen  stlichen Religionen,  der
moralische Niedergang, diese ganzen  Dinge passen  hervorragend in  das Bild,
da die Bibel ber den Gang der Welt zeichnet.
Nur brauchte ich jetzt keine Angst mehr davor zu haben.

Aber nicht nur Sichten, auch Ansichten und Aussichten vernderten sich.

Meine ca. 160  MB Porno-GIF-Sammlung  verschwand  nach einiger  Zeit von  der
Festplatte ("Man hat's, man brauch's ja nicht" -  die stereotype Antwort, die
man bei  dieser  Sache  von  vielen  hrt),  und  langsam  wuchsen  gesndere
Ansichten ber diesen Teil des Lebens.
Die anderen Giger-Bildbnde und  verwandte Literatur  gingen -  obschon eines
betrchtlichen Wertes - eines Sommerabends im elterlichen Kamin in Rauch auf,
nach etwas Ringen. Ich sprte, da das Dinge waren, die vom Herrn trennen und
Distanz schaffen - eine Gefahr, die jemand, der Gott  gar nicht kennt, leider
berhaupt nicht wahrnehmen kann. (Vergl. Apg. 19,18-20)
Auch viele  Rap-CDs,  an denen  ich  frher  unheimlich  hing, die  mir  aber
mittlererweile wie Dreck erschienen, wurden schnell unbrauchbar.

Aus  dem   frher   depressiven,  selbstmordgefhrdeten,   schwarzseherischen
Sebastian war  jemand Neues  geworden  - ein  nun  freier,  mit Gott  Frieden
gefunden habender Mensch, der  allen Grund zu  Hoffnung und  Zuversicht haben
darf. Das geschah nicht von heute auf morgen, aber  rckblickend kann ich das
sagen.
Er hat mir einen neuen Anfang geschenkt, und nur das ist der Grund, warum ich
ber meine Vergangenheit und  die Dinge die  ich verbockt habe,  so schreiben
kann  -  weil  Er   sie  hinter   seinen  Rcken  geworfen  und  einen groen
Schlustrich darunter gezogen hat.

"Daher, wenn jemand in Christo ist, da ist eine neue  Schpfung; das Alte ist
vergangen, siehe, alles ist neu geworden" - 1. Korinther 5,17

  Neuorientierung

Nun, auf diesem neuen - diesmal  festen - Fundament unter  den Fen nderten
sich auch die Ansichten ber die Welt  und das Leben an sich.  Die Frage, wie
ich denn meine begrenzte Zeit hier auf Erden verlebe und in was fr Dinge ich
sie investiere stellte sich.
Der Wunsch, ein fr  die Ewigkeit  wertvolles Leben  zu leben,  entstand. Ein
Leben, an  dessen  Ende ich  ehrlichen  Herzens  sagen  kann: Ich  hab's  gut
angelegt, in sinnvolle Dinge  investiert, in Dinge,  die in  Ewigkeit Bestand
haben werden. Darauf wurde  diese und  jene Aktivitt  abgeklopft -  auch das
(Demo-) Programmieren "nur zum Spa".
Und aus  genau  diesem Grund  sahen  wir  uns  nicht  mehr  in der  Lage,  so
weiterzuleben und  "zum  Spa"   zu  programmieren  wie  bisher.  Ich  durfte
mittlererweile aus einer anderen Quelle  - bestndige - Freude  schpfen. Der
Bruch war nur eine  logische Konsequenz. Mein  Rechner verschwand  fr einige
Zeit vollkommen im Keller.
Das mu gegen  Ende 1995  gewesen sein.  Gerald war  von der  Idee anfnglich
berhaupt nicht begeistert - aber bei ihm sollte sich auch noch viel ndern.
Im neuen Jahr gaben  wir auch  - nachdem  ich meinen  Rechner wieder  aus dem
Keller hervorgeholt hatte, aber  nun wollte  ich ihn  nur noch  zum schreiben
benutzen - unsere Videospiel-Entwicklerkits zurck.

  Ewigkeit

Ich wei' nicht, inwieweit Du das Programm kennst,  wodurch unser gemeinsamer
Ausstieg auf der Symposium'96 ffentlich wurde.
Die Hintergrundstory kann wirklich als abenteuerlich bezeichnet werden. Eines
Abends hatte ich pltzlich die Idee, basierend auf alten DSP-Codes vom Sommer
1995 eine brennende  Erdkugel mit  entsprechendem Bibelvers  (Endzeitreden in
Matthus 24 u.  25)  zu schreiben.  Damit  wre die  damals investierte  Zeit
schlielich doch noch zu etwas ntze gewesen.
Das Konzept  wurde  um   weitere  Elemente  erweitert,  und  schlielich  war
innerhalb krzester Zeit  "Ewigkeit"  ohne groe  Debugging-Probleme aus  dem
Boden gestampft und sogar auf weniger als 4kB packbar. Die Symposium'96 stand
vor der Haustr  und die  Idee,  das Programm  innerhalb des  4kB-Wettbewerbs
einer breiteren  ffentlichkeit zu  zeigen  klang  hervorragend  - Bei  einem
Besuch bei Christian  in Karlsruhe,  als er  mir auch  eine  Vorabversion des
Inter-Lazer- 4ktro's zeigte,  sagte  ich noch  lustlos  zu ihm,  von uns  sei
diesbezglich wohl kaum etwas zu erwarten, die Motivation sei einfach null.
Der Herr hat Gelingen  gegeben, anders lt  es sich nicht  bezeichnen. Meine
Erkltung, die mir  vorher tagelang  zu  schaffen gemacht  hatte, war  wenige
Stunden vor Ankunft in Hamburg wie weggeblasen, vor Ort konnte ich mich sogar
von meinem Schal  trennen. Ein  letzter Effekt  (die  Karfreitag-Grafik) lie
sich ohne groen Anlauf noch in  das bereits stehende Demo  einbauen, und das
Ganze unter 4 Kilobyte drcken - alles  lief, als die Deadline  noch mehr als
12 Stunden  entfernt  war  (die  bei einem  kniffligen  Fehler  ganz  schnell
vergehen  knnen).  Auch  die   Nachricht,  wir   sollten  uns   wegen  einer
abgegebenen, defekten Diskette nochmal  bei der  Jury melden,  erreichte uns,
das Demo wurde zugelassen und lief fehlerfrei auf der Leinwand (auch wenn der
allerletzte Satz "The Bible - God's  letter to you" nicht  gezeigt wurde). Er
hat uns berreich beschenkt.

  Alte Natur

Also alles nur  noch Sonnenschein?  Weit gefehlt,  und so  durfte ich  in der
gesamten Zeit einige wichtige Korrekturen erfahren - von Ansichten ebenso wie
von charakterlichen Eigenschaften.
Nach einem anfnglichen Hhenflug, in dem ich auch sicherlich mehr als einmal
ber das Ziel  hinausgeschossen bin,  folgte eine  Zeit groen  Hochmutes und
Stolzes. Der dringend notwendige Dmpfer dafr kam im  Dezember 1996, und das
war eine gute  Sache. Es  ist mglich,  diesen und  jenen Vers  tausendmal zu
lesen, ohne wirklich mit dem Herzen erfat zu haben, was er bedeutet. Nun ist
mir klarer, was Paulus mit der alten Natur und ihren unangenehmen Eigenheiten
meint...

Kann man auch "danach"  noch auf  die Nase  fallen? Man  kann, und  zwar ganz
schn grndlich.
Von einem guten  Freund hatte  ich  zu meinem  Geburtstag im  Juli 1995  eine
240er-Videokassette bekommen mit  dem Zeichentrickfilm  "Heavy Metal"  in der
ersten Hlfte und  einem "Sozialkritischen"  in  der zweiten.  "Ich denk'  ja
nicht, da ich mir den  anschauen werde" - von  meiner Festplattenbereinigung
schrieb' ich bereits - sagte  ich, und  nahm mir an  einem Tag fest  vor, die
zweite Hlfte zu lschen,  und landete nach  mehrmals kurz und  einmal lnger
vorspulen... genau mitten in dem Streifen. Ab da war's dann gelaufen.

Es ist wunderbar  wieder ein  einigermaen  sensibles Gewissen  zu haben  und
Dinge als schlecht zu erkennen, die es  sind. Und jemanden, dem  man die Last
dann abgeben  kann,  darf und  soll,  und  der  "...  uns reinigt  von  jeder
Ungerechtigkeit" (1. Joh 1,9).

In der Lebensschule des Herrn werden  wie nie auslernen und  wohl noch einige
Lektionen erhalten. Beim jetzigen  Stand soll es  nicht bleiben,  und darber
freue ich mich.

  Wende zwei

Zwischen Winter 1996 und Ostern 1997  bekam auch Gerald  einen komplett neuen
Anfang geschenkt und durfte  viel Gutes erfahren,  was er aber  besser selbst
schreibt.

  Zivildienst

Im Herbst 1995 begann  mein Zivildienst  im Elisabethenstift  Darmstadt, eine
Zeit, die, htte  ich  nur drei  Wrter,  mit wertvoll,  prgend  - und  kra
beschreiben wrde.  Und  von  der  ich  nicht wei,  wie  ich  sie  ohne  Ihn
berstanden htte. Da knnen Wertesysteme zusammenstrzen.
Mit diesem Krankenhaus hatte ich  schon frher durch zwei  Schulunflle meine
Bekanntschaft gemacht und so  war das praktisch  die erste Adresse.  Und nach
drei Wochen  verstand  ich,  wieso  mir  alle  anderen  Zivildienstleistenden
jedesmal "Na dann mal viel Spa" wnschten, wenn ich sagte, ich wrde auf die
und die Station kommen.
Das  "Patientengut"  bestand  zum   groen  Teil   aus  lteren   Leuten  und
Diabetikern, eine ungute  Kombination, wenn  beides in  einer  Person vereint
ist. Und  beim tglichen  Umgang  mit Menschen,  denen  ein  oder zwei  Beine
fehlten, deren Wunden  z.T.  knochentief waren  und  einfach nicht  verheilen
wollten (und nur noch  schmodderten) stellt sich  die Frage nach  der eigenen
Zukunft, nach dem eigenen Altern, nach dem eigenen Tod. Und ich bin heilfroh,
zu diesem  Zeitpunkt  bereits  (hoffnungsvolle) Antworten  darauf  gehabt  zu
haben.
Nach zehn, elf, dreizehn  Tagen Schaukeldienst  hat man  kein Tagesgedchtnis
mehr. Manchmal wute ich  nicht mehr,  mit wem ich  vorgestern in  der selben
Schicht war. Und die ganze Zeit ber Elend gesehen kann es vorkommen, da der
erste Gedanke, stt man sich irgendwo das Schienbein  an, "Fleisch!!..." ist
- Vergnglichkeit. Ein Wort, fr  dessen Verstndnis man in  der Mittelstufe,
wenn in Kunst  das Thema  "Vanitas" auf  dem Lehrplan  steht, noch  nicht die
ntige Reife hat. Jetzt hatte ich sie.
Da war mal eine ltere Dame, die frher Tanzlehrerin gewesen war und mir alte
Fotos aus dieser Zeit gezeigt  hat. Tanzlehrerin, und  nun das eine  Bein nur
noch bis Mitte  Unterschenkel. Wenige  Wochen nach  der Entlassung  stand ihr
Name im "Darmstdter Echo".
Es ist schlimm, alleine dort zu liegen und selbst von den eigenen Angehrigen
keinen Besuch zu bekommen. Und zu warten.
Es ist furchtbar, die Tage wegen einer schlechten  Prognose bereits rckwrts
zhlen zu mssen und nicht zu wissen, was mit dem Tod auf einen zu kommt. Die
nagende Ungewiheit, -  "Und wenn  doch was  dran ist  am Gericht?".  Und die
Vorahnung, da man dann keine Chance hat. "Ich tue  recht und scheue niemand"
- ein Selbstbetrug, den man  sptestens dann fallen  lt, wenn man  hier (wo
man endlich die Gelegenheit und Ruhe dafr hat) sein Leben rekapituliert.
Ich war dankbar,  den Tod  als den  sehen  zu drfen,  als den  ich ihn  hier
tglich erlebte - als Feind des Menschen, und nicht  als den Mechanismus, dem
ich meine Entstehung  durch "Hherentwicklung"  zu verdanken  habe -  und die
Aussicht, da er nicht das letzte Wort behalten wird. Einer kam zurck.
Vergnglichkeit. Wo kommst Du her, Mensch,  und wohin gehst Du.  Und wo wirst
Du sein in Ewigkeit?

  Geschwister

Wer den Herrn Jesus kennengelernt hat, entwickelt nach einer Zeit den Wunsch,
Leute kennenzulernen, die dasselbe  erlebt haben. Mein  Weg in  eine Gemeinde
verlief hnlich kurvenreich wie der Weg zu ihm.
Die Besuche in der Kirchengemeinde am Ort, in der  ich konfirmiert wurde (und
mich seitdem nicht habe blicken lassen) waren nicht besonders erbaulich. Nach
den Gottesdiensten "zerstreuten sich die  Schafe" auch wieder  recht schnell,
von einer richtigen Gemeinschaft habe ich nichts mitbekommen.
In der Nhe vom Elisabethenstift  gab es nun eine  evangelische Buchhandlung,
in der ich oft auftauchte, um Lesestoff zu besorgen - und in der ich mich mit
einem Buchverkufer  anfreundete.  Martin   war  vor  knapp  einem  Jahr  von
Nordrhein-Westfalen hierher  in  die   Gegend  gezogen  und  war  nach  etwas
Umschauen in der Christlichen Gemeinde Eberstadt fndig geworden.
Nachdem ich  zweimal  mitgekommen  bin,  habe  ich  Wurzeln  geschlagen.  Die
"Brdergemeinde" ist fr mich  zu einer  echten geistlichen  Heimat geworden,
die ich nicht  mehr missen  mchte.  Da ich  das dreiviertel  Jahr ohne  gut
berstanden habe, war reine Bewahrung.
Was ich hier besonders zu schtzen gelernt habe, ist die  Liebe und Treue der
Schrift gegenber, eine Sache, die man leider nicht mehr oft findet, die aber
erst die  Basis  dafr  bietet,  zwischen  "echt"  und  "kirchlich"  u..  zu
unterscheiden.
Im Sommer 1996 trat ich dann auch aus der EKD aus.

  Ausbildung

Die Entscheidung, nach der Schule  mit Zivildienst weiterzumachen,  kam nicht
von ungefhr. Ich  hatte einfach  keine Ahnung,  was ich  nach  der Schulzeit
machen wollte. Durch den  Schichtbetrieb rinnt  die Zeit  wie Sand  durch die
Hnde,  und  im   mittleren  Drittel   wurde  es   langsam   unangenehm.  Das
Zivildienst-Ende war bereits absehbar.
Dann kam  ich  auf das  zurck,  womit  ich  whrend der  Schulzeit  schonmal
kurzzeitig geliebugelt habe - MTA, Medizinisch-technischer Assistent.
Zu der Zeit, in der andere schon ihre Vorstellungsgesprche hatten, fing' ich
gerade erst an,  meine  Bewerbungsschreiben zu  verschicken.  Von den  sechs,
sieben Schulen im Umkreis  war Heidelberg mein  groer Favorit, da  die nicht
nur im Herbst,  sondern  auch  im Frhjahr  Ausbildungsstart  haben, was  ein
ertrgliches halbes Jahr Leerlauf nach Zivildienstende bedeutet htte.

"Der Herr wird fr euch streiten, ihr aber werdet still sein" - 2. Mose 14,14.

Ein Vers, an den ich die  ganze Zeit denken  mute. Beim Vorstellungsgesprch
ging es gar nicht mehr darum, ob ich genommen werden sollte  oder nicht - das
schien bereits lange ausgemachte Sache zu sein  - es ging nur  noch darum, ob
ich noch Fragen htte! Fr  April nchsten Jahres  hatte ich mir  einen Platz
ertrumt. Und fr Oktober desselben Jahres einen bekommen!

Die Strecke   Darmstadt-Heidelberg  tglich  mit   dem  Zug  zu   fahren  ist
anstrengend. Die Hinfahrt klappt  einigermaen, aber  die Rckfahrt  kann von
Haustr  zu  Haustr   drei  Stunden   dauern,   gert  man   genau  in   die
Fahrplanlcken. Das denkt  man  auch nur  im  ersten Semester,  da das  ber
lngere Zeit  gut  gehen  kann,  daher  erkundigte ich  mich  schon  bald  im
Sekretariat wegen eines Wohnheimzimmers.
"Oh Herr Hennig,  ganz schlecht,  vielleicht in  einem Jahr.  Vielleicht aber
auch nicht." war die wenig ermutigende Antwort der Sekretrin - die mich zwei
Wochen spter ins Schulbro rufen  lie, weil da  zwischenzeitlich "pltzlich
ein Zimmer frei geworden ist" - ich wei, wem ich das verdanke.

  Taufe

Eine merkwrdige Sache, je mehr Zeit ich nun  in Heidelberg verbrachte, desto
mehr schien  ich  in Darmstadt  echte  Wurzeln  zu  haben. Was  verband  mich
zwischenzeitlich alles mit dieser Stadt! Was habe ich hier alles erlebt! Hier
wurde ich gewissermaen geboren.
So freute  ich mich  umso  mehr  im Woog  -  einem  Teich  in Darmstadt,  dem
Elisabethenstift genau gegenber liegend! - zusammen mit  noch jemand anderem
getauft werden zu knnen, ein Wunsch, der  mir seit ein paar  Monaten auf dem
Herzen lag.
Die Zeit vor und danach war von groen Schwierigkeiten  geprgt, in denen ich
durch ganz konkrete Verse groe Ermunterung erfahren durfte.

  Ausblick?

Wie geht es nun weiter? Ich wei'  es nicht genau. Den  groben Fahrplan kenne
ich, aber den bernchsten Schritt erfahre ich nicht vor dem nchsten.
Was die globale Zukunft angeht,  die steht in  groben Zgen fest.  Gott kommt
mit diesem Planeten an sein  Ziel, und wie  der Weg dahin aussieht,  das kann
jeder nachlesen, der es mchte.
Der Herr  Jesus  kommt  wieder.  Das  hat  er  versprochen,  und  anhand  der
Beschreibungen ist es absehbar. Jahr und Tag und Stunde  wei ich nicht, aber
das spielt auch die kleinste Rolle fr den, der Frieden mit  ihm hat. Der ist
frher oder  spter sowieso  bei  ihm, und  dieses  Ereignis,  das Sehen  von
Angesicht zu Angesicht mit all den anderen, die  ihn lieben, wird allergrte
Freude sein.
Die anderen werden dann leider selbst  zusehen mssen, wie sie  mit ihrer vor
Gott aufgehuften Schuld zurecht  kommen, wenn  keiner mehr  da ist,  der sie
ihnen abnimmt.
"Jerusalem, Jerusalem... wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie
eine Henne ihre Kken unter ihre Flgel,  und ihr (!) habt  nicht gewollt!" -
Matthus 23,37
Was meine  persnliche  Zukunft  angeht,  so  werde  ich  wohl,  wenn  nichts
dazwischen kommt, noch  bis zum  Examen in  Heidelberg bleiben  und  die drei
Jahre Berufserfahrung,  die alle  anderen  fr  eine Bewerbung  voraussetzen,
wahrscheinlich auch dort sammeln.  Wohin er mich  dann haben mchte,  wird er
mir noch rechtzeitig mitteilen. Aber das sind ungelegte Eier.
Was Ehe und Familie betrifft,  bin ich zuversichtlich,  da Er auch  fr mich
irgendwo eine liebe geduldige Frau kennt, die es mit mir aushlt, und die mir
in nicht allzu ferner Zukunft (bis ich gelernt habe, was Geduld und Vertrauen
ist... und Reife :-)  ber den Weg  laufen wird.  Ich habe allen  Grund, mich
drauf zu freuen.
Und Computer-mig? Computer  und  Programmieren sind  nicht mehr  Kerninhalt
meines Lebens.  Keine   Ahnung.  Ewigkeit  fr  den  Falcon   war  nicht  das
Allerletzte, da bin ich im  Readme etwas zu  voreilig gewesen. Wenn  noch mal
etwas wirklich "dran" ist und ich auch wirklich grnes  Licht dafr habe (was
bei der  PC-Umsetzung  so  eine   Sache  war...  aber  das  ist  eine  andere
Geschichte, gell, Gerald!), werde  ich mich auch  nochmal an  einen Assembler
(oder auch was anderes) setzen. Abwarten!!

Ich wnsche Dir von Herzen, lieber Leser, da Du Ihn auch so kennenlernst.
La' endlich dein so oft betubtes  Gewissen zu Wort kommen  und mach' Schlu
mit deiner Selbstgerechtigkeit.
Hre mal auf  Seine Stimme  und la'  dir zeigen,  wie Du  wirklich dastehst!
Mach' ehrlich Bestandsaufnahme!
Und dann ergreif' seine Hand!
"Nicht die Starken brauchen  einen Arzt, sondern  die Kranken. [...]  Ich bin
nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Snder." - Matthus 9,12.13

Es ist wunderbar, mit  dem Herrn  Jesus zu  leben. Nicht,  da es  dann keine
Schwierigkeiten und Probleme mehr gibt, das nicht - aber  es ist immer jemand
da, in Zeit, und in Ewigkeit.

Sebastian.

(Wer mir schreiben  mchte, kann  das  gerne tun.  Bei ernstgemeinten  Fragen
stehe ich gerne zur Seite.

Sebastian Hennig
In der Wolfskaute 4
64331 Weiterstadt)



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Die Bibel, (alte, unrevidierte) Elberfelder ., R. Brockhaus, ca. 35 DM
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b.) Andere evangelistische Literatur

Wilhelm Busch, "Jesus unser Schicksal", Aussaat Verlag, ca. 8 DM
Wilhelm Busch, "Jesus unsere Chance", CLV/EG, ca. 4 DM
Josh McDowell, "Wer ist dieser Mensch?", Hnssler, ca. 6 DM
William McDonald, "Das tat Gott", CLV, ca. 5 DM

c.)

Joseph Weizenbaum, "Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft",
 Suhrkamp
Joseph Weizenbaum, "Kurs auf den Eisberg", Piper
Joseph Weizenbaum, "Sind Computer die besseren Menschen?", Piper
Gero von Randow (Hrsg.), "Das kritische Computerbuch", Grafit



"Wir bitten an  Christi statt:  Lat euch  vershnen mit  Gott! Den,  der die
Snde nicht kannte (d.i. Jesus),  hat er fr  uns zur Snde gemacht,  auf da
wir Gottes Gerechtigkeit wrden in ihm." - 1. Korinther 5,20b.21
"Und der Geist und die Braut sagen: Komm! Und wer es hrt, der spreche: Komm!
Und wen  drstet,  der komme!  Wer  da  will,  nehme  das Wasser  des  Lebens
umsonst!!" - Offenbarung 22,17
"Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoen" - Johannes 6,37b
"So sage ich euch, ist  Freude vor den  Engeln Gottes ber  e_i_n_e_n Snder,
der Bue tut." - Lukas 15,10 (1-10)
